1995

Eolas Insel (1995)

Eolas Insel ist Paradies und Hölle zugleich. Die Insel spukte lange Zeit durch meine Phantasie und wurde im Laufe der Zeit mit immer mehr Details angefüllt. Es folgt ein Text, den ich geschrieben habe, um als Ausgangspunkt für das Textadventure zu dienen.


Als du aufwachst, liegst du an einem einsamen Strand. Die See liegt spiegelglatt vor dir. Weit draußen kannst du ein paar winzige Inseln entdecken. Hinter dir erstreckt sich, so weit das Auge reicht, ein undurchdringlicher Dschungel, an den langen, weißen Sandstrand anschließend. Zu deiner Linken sind in einiger Entfernung Berge auszumachen, die über die grünen Wipfel ragen.

Du gehst am Strand entlang. Überall verteilt findest du Planken eines Schiffes. Unter den Trümmern scheinen keine brauchbaren Sachen zu sein, bis du plötzlich eine kleine Schatulle entdeckst. Du versuchst, das Schloss mit deinem Taschenmesser aufzubrechen. Nach einiger Zeit gelingt es dir. In der Schatulle liegt eine Seite eines Buches. Es scheint sehr alt zu sein, die Schrift ist fast unleserlich:

Die Bl— -gave (Aga-a c–lentra) -st –rstlöschend, -ie -elbe (A. ia-na) -edoch i-t gif—. B–m —h– -u- –n -a–u- a—— —— - - - -

Du steckst das Blatt ein, obwohl du nicht weißt, ob es dir von Nutzen sein wird.

Du gehst noch ein gutes Stück weiter. Auf der ganzen Länge des Strandes findest du weitere Überreste des Schiffes, du kannst jedoch im Moment nichts mit ihnen anfangen. Schließlich kommst du am Ende des Sandstrandes an. Zu deiner Linken erheben sich hinter den Dünen grasbewachsene Hügel.

Oben auf dem ersten Hügel angekommen, schaust du dich um: Du siehst die Bucht, an deren Strand du aufgewacht bist. Weiter draußen sind viele kleine Inseln zu sehen, manche felsig, andere wiederum mit dichtem Gestrüpp oder Palmen bewachsen. Die Sonne steht mittlerweile hoch am Himmel, und du verspürst einen starken Durst.

Du blickst dich um, kannst jedoch keine Quelle und keinen Fluss entdecken. Außer den überall wuchernden Agaven siehst du auch keine größeren Pflanzen, in deren Schatten du dich ausruhen könntest.

So legst du dich also unter eine stachelige Agave, als du versehentlich einen jungen Trieb abbrichst. Sofort quillt eine dickflüssige Milch aus der Wunde. Du überlegst, ob du den Saft trinken sollst, dein Durst überzeugt dich schließlich. Du nimmst einen Stengel und saugst ihn aus. Die Flüssigkeit ist klebrig und schmeckt nicht überwältigend. Du verlierst kurz die Besinnung, der Saft scheint giftig zu sein.

Die Hitze macht dir sehr zu schaffen, du brauchst etwas Kühlung, und vor allem mußt du so schnell wie möglich ein Gegenmittel finden. Außer den Agaven und ein paar anderen Pflanzen gibt es jedoch hier oben nichts. Du pflückst mehrere Pflänzchen, dann stolperst du und fällst in eine tiefe Ohnmacht.

Als du wieder zu dir kommst, ist die Sonne schon ein gutes Stück weitergezogen. Jetzt fällt dir wieder ein, daß du dich mit Agavensaft vergiftet hast. Noch während du dich wunderst, wie du die Vergiftung überlebt hast, fällt dein Blick auf eine kleine Flasche. Sie ist angebrochen und scheint eine Art Kräuterextrakt zu enthalten. Plötzlich findest du einige Tropfen davon auf deinem Hemd.

Du gehst den Weg zurück, den du gekommen bist. Nach einer Weile macht sich dein Magen bemerkbar und dir fällt auf, daß du seit mindestens zwei Tagen nichts mehr gegessen hast. Als du an einer Pfütze vorbeikommst, der du vorher keine große Beachtung geschenkt hast, siehst du sie dir genauer an. Du siehst darin ein paar Muscheln und – einen Fisch!

Du greifst dir den Fisch, tötest ihn mit deinem Messer und versuchst, ihn so gut wie möglich mit Muscheln und Seetang zu garnieren. Er schmeckt nicht allzu gut, stillt jedoch deinen Hunger eine Zeitlang.

Du betrittst die Welt der bunten Papageien und kreischenden Affen. Die stickige, schwüle Luft eines tropischen Urwaldes macht dir zu schaffen, du sehnst dich nach kühlem Wasser. In weiter Ferne hörst du das hysterische Geschrei von Brüllaffen, sonst lastet eine erdrückende Stille auf dem Wald. Nach kurzer Suche nach einem geeigneten Platz steigst du auf einen großen Baobabbaum, um die Nacht sicher vor Raubtieren und schlimmerem zu verbringen. Immer wieder wachst du auf und glaubst, ferne Geräusche zu hören. Als du genauer hinhorchst, herrscht jedoch wieder Stille.

Du schlägst dich durch das Dickicht immer tiefer in der Urwald. Je tiefer du eindringst, desto schwächer wird das Tageslicht und desto erdrückender wird die Stille, die seit heute morgen dein ständiger Begleiter ist.

Es wird langsam Abend, und du mußt dir überlegen, wo du die Nacht verbringen willst. Nach langem Marsch gelangst du wieder am Strand an und atmest auf, als du die kühle Seeluft auf deiner Haut spürst. Erfrischt kommst du bald darauf bei den Hügeln an.

Es ist schon fast dunkel, es hat keinen Zweck mehr, weiter zu gehen. Du suchst dir, so gut es in der Dämmerung geht, Zweige und Gras zusammen und bereitest dein Lager vor. Schließlich legst du dich hin und schläfst ein. Nach unruhigem Schlaf erwachst du früh am Morgen…