5. März 2017

 

Geologie im botanischen Garten Osnabrück

Bei einem Besuch im botanischen Garten der Uni Osnabrück kann man nebenbei noch etwas Geologie mitnehmen. Der botanische Garten befindet sich auf dem Gelände eines ehemaligen Kalksteinbruchs, wo der hier zutage tretende Muschelkalk abgebaut wurde. Direkt neben dem Regenwaldhaus befindet sich ein großer, weitläufiger Aufschluss, der die circa 235 Mio. Jahre alten Gesteinsschichten zeigt.

Der botanische Garten der Universität Osnabrück befindet sich an der Albrechtstraße auf dem Westerberg, einer sehr begehrten und schönen Wohnlage in Osnabrück. Der Eintritt ist kostenlos, auch in das sehr lohnende Regenwaldhaus, wo ganzjährig ein schwül-heißer südamerikanischer Dschungel zu genießen ist. Außerdem bietet der Garten unter anderem eine Abteilung mit Nutzpflanzen, eine sehr große Lauch-(Allium-)artensammlung und das Alpinum mit Flora der Alpen. Auf dem Gelände des botanischen Gartens befand sich früher ein Kalksteinbruch, in dem Baumaterial für Osnabrücker Gebäude gewonnen wurde. Man kann hier jedoch auch interessante geologische Dinge lernen.

Die Gesteine, die hier in einem großen Aufschluss zutage treten, stammen aus der Trias, genauer aus dem Muschelkalk. In der Muschelkalkzeit, 243 bis 235 Mio. Jahre v.h., war Mitteleuropa geprägt durch ein flaches Meeresbecken, das Germanische Becken, das im Süden Verbindung hatte mit dem Neotethys-Ozean. In den Schichten des Muschelkalks finden sich Ablagerung von kalkigen Sedimenten sowie Evaporite, wobei die Gesamtmächtigkeiten 200 bis 400 m betragen.

Im Unterem Muschelkalk finden sich nur wenige Fossilien, was auf übersalzene und sauerstoffarme Meeresbecken hindeutet. Einen großen Reichtum an Fossilien bietet dagegen der Obere Muschelkalk. Hier kommen teils massenhaft die charakteristischen Trochiten vor, Stielglieder von Seelilien. Eine Besonderheit des Muschelkalks, die auch in Osnabrück zu sehen ist, sind die Tempestite. Durch Sturmereignisse aufgewühlte Sedimente hinterlassen Gesteinsschichten charakteristischer Prägung. Diese Schichten sind von einer Mächtigkeit bis zu 30 cm und zeigen eine gradierte Schichtung (unten grob, oben fein), sowie zerbrochene Fossilien. Ein berühmtes Bauwerk, das aus Muschelkalkstein erbaut ist, ist der Roland auf dem Rathausplatz in Bremen.

Als Jüngere Dryas wird die Zeit zwischen 10.730 bis 9.700 v.Chr bezeichnet, in der es zu einem starken Kälterückfall (Stadial) nach dem gemäßigten Alleröd-Interstadial kam. Benannt ist die Jüngere Dryas nach der Weißen Silberwurz (Dryas octopetala), die sich zu der Zeit in ganz Deutschland und Skandinavien ausbreiten konnte. Heute kommt sie nur noch auf arktisch-alpinen Standorten vor – und im Alpinum des botanischen Gartens in Osnabrück.